Einblicke
Aktualisiert: September 2026

E-Discovery und Predictive Coding für Kanzleien

Technologiegestützte Prüfung kann Dokumentenarbeit priorisieren. Ihr Nutzen hängt von unabhängiger Validierung, Vertraulichkeit und dem konkreten Verfahren ab.

4 Min. Lesezeit

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Prüfstatus: Die Rechts- und Sprachprüfung durch eine namentlich genannte Person steht noch aus.

In diesem Artikel

Dokumentenreiche Arbeit entsteht bei Transaktionen, Untersuchungen, Arbeitsstreitigkeiten, Nachlässen und Schiedsverfahren. Technology-assisted Review, kurz TAR, nutzt Prüfentscheidungen und maschinelles Lernen zur Priorisierung von Dokumenten. Der Nutzen hängt von Bestand, Fragestellung und Validierung ab. Das ist von einem Chatbot zu unterscheiden, der Antworten über ungeprüfte Unterlagen generiert.

Mit der konkreten Herausgabepflicht beginnen

Klären Sie Verfahren, Begehren, gerichtliche oder schiedsgerichtliche Anordnungen und Geheimhaltungsgrenzen vor der Wahl des Prüfprotokolls. Forschung zur US-Discovery begründet weder eine TAR-Pflicht noch die Zulässigkeit eines bestimmten Verfahrens in der Schweiz oder Deutschland.

Die Initiative der Schweizerischen Vereinigung für Schiedsgerichtsbarkeit zur Dokumentenherausgabe von 2025 behandelt deren Aufwand und schlägt praktische Anpassungen vor. Sie ist eine Praxis- und Reformdiskussion, kein Beleg dafür, dass jedes Schweizer Schiedsgericht Predictive Coding akzeptiert. Dokumentieren Sie das im konkreten Verfahren verlangte oder vereinbarte Vorgehen.

Was die Forschung stützt

In der Untersuchung von Cormack und Grossman aus dem Jahr 2014 erforderten Active-Learning-Protokolle in den untersuchten Aufgaben bei gegebener Trefferabdeckung weniger Prüfaufwand als die verglichenen Passive-Learning-Protokolle. Diese Abdeckung, Recall genannt, beschreibt den Anteil gefundener relevanter Unterlagen. Die Studie nutzte eine Prüfersimulation und bestimmte Datensätze. Sie belegt weder eine universelle Einsparung durch heutige Produkte noch die Qualität generativer Rechtsberatung.

Ihr Validierungsbeitrag von 2024 betont unabhängige Relevanzbewertungen und schlägt verblindete Prüfverfahren vor. Bewerten Sie ein System deshalb nicht allein anhand derselben Urteile, mit denen es trainiert wurde. Eine belastbare Qualitätsaussage braucht einen begründeten Vergleichsmassstab und Angaben zur Unsicherheit.

Eine begrenzte Aufgabe wählen

Mögliche Einsätze sind die Priorisierung relevanter Unterlagen, Kategorievorschläge und der Entwurf einer Chronologie. Definieren Sie, auf welche Ergebnisse sich das Team stützen soll. Ein korrekt kopiertes Datum beweist nicht, dass ein Ereignis dann stattfand. Ein Dokument kann ein vergangenes Ereignis, eine geplante Frist oder einen älteren Anhang beschreiben.

Bewahren Sie Originale, Seitenverweise, Versionen und Dokumentbeziehungen. Prüfen Sie Texterkennungsqualität und fehlende Unterlagen. Geben Sie die Trefferabdeckung als gemessene Schätzung mit ihrer Unsicherheit an, statt zu versprechen, jedes Datum oder relevante Dokument zu finden. Messen Sie den Aufwand zur Validierung des vollständigen Ergebnisses.

Auch ausgelassene Unterlagen prüfen

Die Prüfung nur hoch eingestufter Dokumente zeigt nicht alle Auslassungen. Ein Elusion-Check untersucht eine Stichprobe des als nicht relevant eingestuften Materials. Sein Wert hängt von Stichprobendesign, unabhängiger Bewertung und Interpretation ab. Eine kleine Gelegenheitsstichprobe belegt nicht die Abwesenheit übersehener relevanter Dokumente.

Unterscheiden Sie Relevanz, rechtlichen Schutz, Berufsgeheimnis und Herausgabeberechtigung. Ein Relevanzklassifikator entscheidet diese Rechtsfragen nicht abschliessend. Weisen Sie geeignete Prüfpersonen und Eskalationswege zu und testen Sie mandatsübergreifende Zugriffe oder Vertraulichkeitsverletzungen.

Für Anwältinnen und Anwälte, die dem Anwaltsgesetz (BGFA) unterstehen, macht Artikel 13 BGFA das Berufsgeheimnis zur gesetzlichen Pflicht für alles, was ihnen infolge ihres Berufes von ihrer Klientschaft anvertraut worden ist; sie sorgen auch für dessen Wahrung durch ihre Hilfspersonen. Die SAV-KI-Wegleitung unterstützt die Prüfung der Datenbearbeitung und die unabhängige kritische Kontrolle. Der CCBE-Leitfaden zu generativer KI vom 2. Oktober 2025, auf derselben Seite in englischer Sprache abrufbar, empfiehlt, Daten mit Mandatsbezug nur mit angemessenen Schutzvorkehrungen einzugeben. Schweizer oder EU-Hosting allein belegt keine Konformität. Prüfen Sie Empfänger, Unterauftragnehmer, Zugriff, Aufbewahrung, Weiterverwendung und rechtliche Erlaubnisse.

Den gesamten Ablauf vergleichen

Erfassen Sie Sammlung, Vorbereitung, Kontrolle, Korrektur, Rechtsprüfung und Herausgabe neben der Modellverarbeitung. Vergleichen Sie gleichartige Aufgaben und Qualitätsmassstäbe. Ein schnelles Werkzeug kann aufwendige Prüfungen verursachen.

Menschliche Beteiligung führt nicht automatisch zum besten Ergebnis. Eine Metaanalyse zu Mensch-KI-Experimenten von 2024 fand unterschiedliche Ergebnisse und im Durchschnitt eine geringere Leistung als bei der jeweils besseren allein arbeitenden Seite. Dieser breite Befund ist kein TAR-spezifisches Ergebnis. Er unterstreicht die direkte Prüfung des kombinierten Ablaufs.

Nachweise zur Dokumentenprüfung

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Kernaussage

TAR kann bei der Priorisierung eines Bestands helfen. Der Nutzen entsteht durch gemessene Trefferabdeckung und einen belastbaren Prüfprozess mit getrennten Rechtsentscheidungen über zulässige Offenlegung.

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