KI-Unterstützung ist ein Anlass, Honorarmodelle zu prüfen, aber kein Beleg für das Ende der Stundenabrechnung. Entscheidend ist, wie sich Gesamtarbeit, Risiko und Mandatsvereinbarung verändern. Erfassen Sie Kontrolle und Korrektur, bevor Sie einen scheinbaren Zeitgewinn in ein Honorarversprechen übersetzen.
Was Produktivitätsforschung zeigt und offenlässt
Im Experiment von Nielsen und anderen mit Rechtsstudierenden aus dem Jahr 2024 verbesserten KI-generierte Hervorhebungen die Effizienz der untersuchten Rechtsaufgabe, Zusammenfassungen allein dagegen nicht. Dieser Unterschied ist für die Preisgestaltung hilfreicher als die pauschale Aussage «KI spart Zeit». Die Studie belegt keine Einsparung für konkrete Kanzleimandate, Versicherungsfragen oder Honorarmodelle.
Auch das Schreibexperiment von Noy und Zhang aus dem Jahr 2023 zeigte Produktivitätsvorteile bei den untersuchten beruflichen Schreibaufgaben. Das waren begrenzte Experimente, keine Messung vollständiger Rechtsmandate. Nutzen Sie Forschung zur Formulierung von Pilotfragen und messen Sie anschliessend die tatsächlich erbrachte Arbeit.
Honorarmodelle für denselben Umfang vergleichen
Stundenabrechnung: definieren, welche tatsächlich geleistete Arbeit berechnet wird, wie Technologiekosten behandelt werden und welche Nachweise die Rechnung stützen. Nicht geleistete Zeit darf nicht als geleistete Anwaltszeit dargestellt werden.
Phasen- oder Pauschalhonorar: Auftrag, Abhängigkeiten, Ausschlüsse und Änderungen vor der Offerte klären. KI kann Aufwand reduzieren und zugleich Unsicherheit oder Prüfbedarf erhöhen. Ein Pauschalhonorar verlagert einen Teil des Schätzrisikos auf die Kanzlei, beseitigt es aber nicht.
Abonnement: enthaltene Leistungen, Mengenannahmen, Reaktionszeiten und Ausnahmen festlegen. Wiederkehrende Einnahmen belegen nicht, dass unbegrenzt Arbeit zuverlässig erledigt werden kann.
Wertbezogene Preisgestaltung: Ziele der Klientschaft und nötige Leistungen besprechen. Für Anwältinnen und Anwälte, die dem Anwaltsgesetz unterstehen, verbietet Art. 12 Bst. e BGFA, vor Beendigung eines Rechtsstreits eine Beteiligung am Prozessgewinn als Ersatz für das Honorar zu vereinbaren oder sich zu verpflichten, bei ungünstigem Verfahrensausgang auf das Honorar zu verzichten. Nach BGE 143 III 600 ist ein pactum de palmario, also eine Erfolgsprämie zusätzlich zum Honorar, innerhalb von Grenzen zulässig. Das erfolgsunabhängige Honorar muss die Selbstkosten decken und einen angemessenen Gewinn ermöglichen. Der erfolgsabhängige Teil darf im Verhältnis zum in jedem Fall geschuldeten Honorar nicht so hoch sein, dass die Unabhängigkeit beeinträchtigt ist und die Gefahr einer Übervorteilung der Klientschaft besteht; er ist jedenfalls zu hoch, wenn er das erfolgsunabhängige Honorar übersteigt. Die Vereinbarung darf zu Beginn des Mandats oder nach Beendigung des Rechtsstreits geschlossen werden, nicht aber während des laufenden Mandats. Vor ergebnisbezogenen Vereinbarungen diese Grenzen und die Unabhängigkeitsanforderungen prüfen. Die Grafik zeigt Vergleichsoptionen, keine zwingende Entwicklung oder Empfehlung für jedes Mandat.
Einen Kostennachweis pro Mandat aufbauen
Erfassen Sie Auftragsklärung, Dokumentvorbereitung, Recherche, Entwurf, Fachprüfung, Korrektur, Kommunikation und Lieferung. Berücksichtigen Sie relevante Lizenz-, Integrations-, Schulungs- und Supportkosten. Vergleichen Sie Mandate mit ähnlichem Umfang und ähnlicher Komplexität und benennen Sie Unsicherheit bei kleinen Stichproben.
Bei einem KI-Entwurf der Klientschaft klären Sie, ob Prüfung, Korrektur oder Neuerstellung beauftragt wird. Ein plausibler Entwurf kann erhebliche Quellenprüfung oder Rekonstruktion benötigen. Vereinbaren Sie Aufgabe und Preisbasis vorab. Weder die Prompt-Zeit der Klientschaft noch die Textlänge bestimmt den nötigen Anwaltsaufwand.
Ein Phasenmandat erproben
Ein illustrativer Pilot kann mit einer vergüteten Auftragsklärung beginnen, gefolgt von einem definierten Umsetzungsvorschlag und einem Verfahren für Umfangsänderungen. Wählen Sie ein geeignetes Mandat, dokumentieren Sie Annahmen und vergleichen Sie prognostizierten mit tatsächlichem Aufwand. Beurteilen Sie Qualität, Verständnis der Klientschaft und Wirtschaftlichkeit gemeinsam.
Rechnen Sie damit, dass sich Aufwandsschwankungen und Margen je nach Aufgabe unterschiedlich entwickeln. Erfassen Sie Ausnahmen, Auslassungen und Nacharbeit. Auch ein attraktives Geschäftsmodell braucht genügend Prüfkapazität für die vereinbarte Leistung.
Tatsächlichen Einsatz und Preis erklären
Beschreiben Sie KI-Rolle und menschliche Prüfungen zutreffend. Die SAV-KI-Wegleitung nennt mögliche Hinweispflichten aus Anbieterbedingungen oder der Erwartung persönlicher Mandatsausführung. Ein Satz in der Mandatsvereinbarung autorisiert nicht pauschal jeden KI-Einsatz.
Trennen Sie Honorarvereinbarung, Einwilligungen zur Offenlegung vertraulicher Informationen und weitere Berufspflichten. Erläutern Sie Umfang, Preisbasis und Rückfragemöglichkeiten. Eine Einsparungsbehauptung sollte den Vergleich nennen und den Prüfaufwand einbeziehen.
Nachweise für den Honorarpiloten
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